history
 

 Nachdem in den Jahren 1989 und 1990 aus der Verschmelzung vieler teils konträrer alternativer Musikströmungen wie Acid, New Beat, Industrial, EBM, Detroitechno, House und HiNRG mit TECHNOHOUSE die bis dahin aufregendste, neuartigste und energetischste Tanzmusik aller Zeiten entstanden war, darf man 1991 eindeutig als DAS Technohouse-Jahr bezeichnen. Weltweit entstanden überall kleine Clubs die sich ausnahmslos der neuen Musikrichtung verschrieben hatten (vorbei mit dem kleinen "Techno-Stündchen" im Mainstreamprogramm...), erste Magazine und Szeneblätter entstanden, junge Ein-/Zweimannfirmen legten den Grundstein zur heute Millionen umsetzenden Clubwear, die ersten Raves mit damals "unglaublichen" Besucherzahlen von bis zu 2.000 Leuten fanden auf deutschem Boden statt und die Vinylindustrie erlebte nach jahrelangem Sturzflug ihren von niemandem mehr erwarteten und bis heute anhaltenden Aufschwung! Jeder, der 1991 Gast auf Technohouse-Partys wie den Tekknozid-Raves war, an der legendären 1991er-Love Parade teilnahm, wer auch nur eine Nacht in den unvergessenen Berliner Kultclubs UFO, Planet, Tresor, 90° oder Walfisch durchgefeiert hat, der weiß um die unbeschreibliche Magie, die unkomplizierte Unbeschwertheit und das immer und überall beinahe übermachtige Gefühl, das schon die zweite Love Parade mit ihrem Slogan prophezeit hatte: "The Future is Ours"!

 Natürlich fand Technohouse nicht nur in Berlin statt (auch wenn die ganze Partywelt neidisch auf unsere chaotische Mauerstadt blickte): auch in Münchens "Babalu", im Kölner "Space Club" und im Hamburger "Front" wurde kräftig und schweißtreibend gefeiert und 1991 waren erstmals alle lokalen Szenen auf der ersten überregionalen, nationalen Love Parade vereint: "My House is your House" hieß die Losung der Stunde und noch heute beschreiben viele Technoveteranen diesen Tag (und das ohne dabei rot zu werden...) als einen der schönsten in ihrem Leben!

 Nachdem nun also 1991 erst einmal alle mit Feiern, Feiern und nochmals Feiern beschäftigt waren, blieb all das natürlich der restlichen Welt nicht verborgen und so war es dann nur eine Frage der Zeit bis Lokalpresse, 80er-Lifestyleblätter wie Tempo und Wiener und nicht zuletzt auch Polizei und Behörden auf den Plan traten. Folgen waren ein explosionsartig aufkeimendes Interesse an der noch intakten Szene, die veranstaltungs- und produktionstechnisch in einer gewaltigen Expansion aller Aktivitäten resultierte. Ein neuer Club nach dem anderen öffnete seine Pforten und es dauerte nicht lange bis erste Grabenkämpfe entstanden, aggressive Werbung und schlechte DJs die Stimmung vermiesten. Plötzlich war auch nicht mehr jede neue Platte eine Offenbarung sondern schnell wurde einem nüchtern vor Augen geführt, dass für jedermann erschwingliches Equipment leider auch bedeutete, dass der Weg vom grottenschlechten 08:15-Wohnzimer-Techno-Demotape bis zur eigenen Platte nur noch ein kurzer war; die noch bis vor kurzem omnipräsente Qualitätskontrolle in Form der A&R Manager der Labels wurde von einem Tag auf den anderen Makulkatur und die Kleinstlabels schossen nur so aus dem Boden.

 Zu viele DJs, zu viele Clubs und letztendlich auch viel zu viele ungebetene Zaungäste sorgten dafür, dass eine Seperation begann, die nun leider nicht die Spreu vom Weizen trennte, sondern das Produkt Technohouse wieder in viele Bestandteile zersplitterte und es damit konsequent seiner Einzigartigkeit beraubte! Wo man vor wenigen Monaten noch gemeinsam gefeiert und an einem Strang gezogen hatte, gab es auf einmal wieder viele verschiedene Sub-Szenen, die sogar einigen Eifer daran setzten, mit den ehemaligen Weggefährten möglichst wenig bis gar nichts mehr zu tun haben zu wollen. Fortan feierten die Houser also wieder unter sich, wer's härter mochte, fand sich beim Hartcore wieder und wer sich schon immer nicht der Faszination des breakbeatlastigen Englandsounds entziehen konnte, isolierte sich in der späteren Jungleszene.

 So war dann also fürs erste genug Platz geschaffen worden für viele neue DJs, neue Plattenkäufer, neue Clubbetreiber,und vor allem auch für die gierige Industrie, die ihr Glück über diese neue leicht zu ködernde Zielgruppe kaum fassen konnte und es ist kein großes Geheimnis, dass neben dem Überrolltwerden der Szene von außen vor allem zersetzende Tendenzen einiger Mitglieder des Inner Circles der Gründerjahre dem unvergessenen Geist von 1991 - noch vor seinem sicherlich natürlich ohnehin vorbestimmten Verfallsdatum - viel zu früh und allzu vorzeitig den Gar ausgemacht haben.

 Nur Leute, die noch heute vom seelenlosen Technozirkus leben und profitieren, beharren bockig, gebetsmühlen- und mantra-artig immer wieder darauf, dass nicht "früher alles besser war" und auch wir fügen uns demütig dem Lauf der Geschichte, lassen es uns aber nicht nehmen, mit viel Liebe (anfangs einmal alle zwei Jahre, aufgrund der überwältigenden Nachfrage ab BTB#5) im Einjahresrhythmus eine Party auszurufen, die den beinahe längst vergessenen Technohouse-Sound und das legendäre Partyfeeling der Jahre 1989-92 wieder aufleben lässt - und die vielen Gäste von außerhalb, die Trillerpfeifen und glücklichen Gesichter und nicht zuletzt die vielen vielen Anfragen übers ganze Jahr hinweg "wann es denn endlich wieder soweit sei", bestätigen uns in unserer Mission.

MY HOUSE IS YOUR HOUSE ··· LET THE BASS KICK! ··· IT'S LIKE IT'S LIKE IT'S LIKE LIKE THAT ··· IT'S THE POINT OF GREATEST INTENSITY ··· YAAAH!!


BACK TO BASICS PT.0: 1992 'Gymnastik'. DJs: RT, Franki; Live: Cosmic Sleep
BACK TO BASICS PT.1: 1993 'BKA-Zelt/Walfisch im Exil'. DJs: Tanith, Rok, Jonzon
BACK TO BASICS PT.2: 1994 'E-Werk/Chromapark'. DJs: Tanith, Rok; Live: GTO
BACK TO BASICS PT.3: 1996 'Climax'. DJs: Roland bpm, EZH, Benji dF, RT
BACK TO BASICS PT.4: 1998 'Discount'. DJs: EZH, RT, Tanith, WolleXDP
BACK TO BASICS PT.5: 2000 'Discount@Pfefferbank'. DJs: EZH, Tanith, WolleXDP
BACK TO BASICS PT.6: 2001 'Pfefferbank'. DJs: EZH, Tanith, WolleXDP, RT
BACK TO BASICS PT.7: 2002 'Tresor Club &Globus'. DJs: EZH, Tanith, WolleXDP, Henry/Break The Limits, Uwe
BACK TO BASICS PT.8: 2003 'Tresor Club &Globus'. DJs: EZH, Henry, Caspar Pound, Tanith, WolleXDP, Uwe, RT; Live: The Hypnotist!
BACK TO BASICS PT.9: 2004 'Maria am Ostbahnhof'. DJs: EZH, Tanith, WolleXDP, Uwe; Live: very special surprise guest!
BACK TO BASICS PT.10: 2005 'Festsaal Kreuzberg'. DJs: EZH, Tanith, WolleXDP, special guest
BACK TO BASICS PT.11: 2006 'Festsaal Kreuzberg'. DJs: EZH, Tanith, WolleXDP
BACK TO BASICS PT.12: 2007 'Kranhalle17'. DJs: Roland bpm, EZH, WolleXDP
BACK TO BASICS PT.13: 2008 'Festsaal Kreuzberg'. DJs: EZH, Roland bpm, WolleXDP, Henry/Break The Limits; Live: The Age of Love [tbc!]


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